PRESSESTIMMEN H. C. Andersen. Jazz – Die wilden Schwäne
Jazzthing Juni 05
Behutsame Märchen von Noethen
Dass man ein wirklich spannendes Märchen über Neid, Intrigen und böse Details auch ganz behutsam erzählen kann, ist auf einer schön gemachten CD zu hören, die gerade beim Berliner Megaeins Verlag erschienen ist. Wenn Ulrich Noethen „Die wilden Schwäne“ von Hans Christian Andersen liest, spricht er langsam und direkt, doch in den Zwischenpassagen wird es auch mal düster und stürmisch. Dann, wenn die Musik des Pianisten und Komponisten Niko Meinhold aus der Begleiterrolle heraustritt und das Ensemble aus jungen Berliner Jazzmusikern improvisiert, wird auch die Stimme des Vorlesers zum Instrument, gewinnt sie an Tempo, überschlägt sich fast, versinkt in der Musik. Da Noethen während dieser Zwischenspiele aber andere Andersen-Märchen zitiert, gerät die Geschichte über die böse Schwiegermutter, die Königstochter und ihre in wilde Schwäne verwandelten Brüder nicht aus dem Fluss. Ein feines Spiel mit Literatur und Jazz.
Frankfurter Allgemeine Zeitung, Feuilleton 02.07.2005
Oh, es ist sehr hübsch!
Hans Christian Andersens Märchen, vorgelesen und nachgespielt
... Mut zum Ungewohnten stellt immerhin der kleine Berliner Megaeins Verlag mit dem musikalischen Hörbuch „Die wilden Schwäne“ unter Beweis: ein geglücktes Cross-over von Jazz und Märchen. Während viele Geschichten Andersens von volkstümlicher Deutlichkeit geprägt sind, gehört „Die wilden Schwäne“ zu den Texten mit mystisch-magischen Zügen. Es ist ein Traumspiel der Metamorphosen, dessen stimmungshafte Intensität eine gute Grundlage für musikalische Improvisationen abgibt. Ebenso ruhig wie markant, in einem manchmal fast verschwörerisch leisen Märchenton, erzählt Ulrich Noethen, wie sich die Königstochter Elisa auf die Suche nach ihren elf Brüdern macht, die von der bösen Stiefmutter in Schwäne verzaubert wurden. Ihre Reise führt übers Meer und durch magische Wälder, zu Feen und Königen, in Gefahren und Abenteuer.
Da ist ein Walking Bass eine gute Begleitung. Die Kompositionen des Pianisten Niko Meinhold bieten versponnene, jedoch nie verschwommene Klangbilder, die an die Jazzkultur des ECM-Labels erinnern. In den gelungensten Passagen sind Wort und Musik gleichberechtigte Stilelemente. Dies ist kein Andersen fürs Kinderzimmer, sondern für anspruchsvolle Hörer, die sich gerne in die dunkle, verwunschene Welt voller heimlicher Qualen ziehen lassen – in einer gespenstischen Friedhofsszene wird etwa eine nächtliche Versammlung von Hexen geschildert, die Gräber aufwühlen und Leichenfleisch fressen. ... Wolfgang Schneider
Jazz Zeitung 01.06.2005
Der Hörbuchmarkt entdeckt den Jazz für sich
H.C.Andersen – Jazz
Dass Märchen und Jazz sehr gut zusammen gehen beweist die kleine Sonderproduktion des kleinen feinen Berliner Verlages Megaeins. Zum 200. Geburtstag des dänischen Nationaldichters H. C. Andersen liest der bekannte Schauspieler Ulrich Noethen („Das Sams“, „Comedian Harmonists“, „Der Untergang“) die geheimnisvolle Erzählung „Die wilden Schwäne“: Die Königstochter Elisa muss ihre von der bösen Stiefmutter verzauberten elf Brüder retten und dabei viele anstrengende und gefährliche Abenteuer hinter sich bringen und Gefahren überstehen. Die Musik dazu komponierte der junge Jazzer Niko Meinhold, der Klavier und Komposition an der Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin und in Stockholm an der Kungligan Musikhögskolan studierte, bereits Stücke für die RIAS- und die NDR Big Band komponierte und mit seinem Trio „Tritorn“ den Deutschen Hochschulwettbewerb gewonnen hat. Die eigens erdachten Klänge unterstützen die melancholische fast mystische Grundstimmung wunderbar oder wie es Meinhold selber ausdrückt: „Andersen Märchen bergen viele Emotionen in sich und wirken deshalb so stark inspirierend, dass man als Komponist schon beim ersten Lesen die Musik dazu hören kann. Dieser unmittelbare Zugang ist optimal für Jazzmusik: Er eint die Musiker, die ja im Jazz durch große improvisatorische und interpretatorische Freiheiten einen entscheidenden Einfluss auf das musikalische Ergebnis haben.“
Die Kompositionen, die den Text teils umspielen, untermalen, solo für sich stehen, aber teils auch mit den Wörtern zu gleichberechtigten Stilelementen verschmelzen, entstanden parallel zur Textentwicklung und den Sprachaufnahmen. Im Studio wurden sie dann mit improvisatorischen Elementen umgesetzt. Mit dabei sind übrigens unter anderem Kathrin Lemke (Bassklarinette, Querflöte, Baritonsaxophon), Tobias Schirmer (Klarinette, Altsaxophon), Anne Christin Schwarz (Cello, Stimme) und Stefan Blaicher am Kontrabass. Andersen für erwachsene Jazzliebhaber. „Die wilden Schwäne“ sind aber auch durchaus dazu geeignet, jüngere Hörer an das Thema improvisierte Musik heranzuführen, Ulrich Noethens angenehm nüchterne unprätentiöse Stimme tut das Ihrige dazu.
Dresdner Morgenpost 31.05.2005
CD-Tipp
Die wilden Schwäne
Die Verbindung von Literatur und Musik führt manchmal zu wunderschönen Produktionen. So wie dieses Album eine ist: Ulrich Noethen liest Hans Christian Andersens Märchen „Die wilden Schwäne“, ergänzt durch Textstellen aus anderen Andersen-Märchen. Dazu ertönt Jazzmusik von Niko Meinhold. Andersen Märchen sind tiefgründig und manchmal recht düster, die Musik dazu fängt diese Stimme auf berückende Weise ein. Ein Hörgenuss!
Rhein-Neckar-Zeitung 22.04.2005
Ein anderer Andersen
Märchen und Jazz mit Niko Meinhold und Ulrich Noethen als „Hörbuch“
Panzerhemden aus Nesseln muss die klei ne Elisa zur Errettung ihrer Brüder flechten. Kein Wort darf ihr dabei über die Lippen kom men. Sprachlos und einsam sind viele von Hans Christian Andersens Märchenheldinnen, allen voran seine berühmteste: die klei ne Meerjungfrau. Diese und ähnliche Paralle len im Andersen'schen Märchenuniversum bringt die Hörbuchproduktion „H.C. Ander sen Jazz - Die wilden Schwäne "' zutage.
Andersen anders ist das Konzept ' dieser zum 200. Geburtstag des dänischen National dichters erschienenen Märchenlesung. Erreicht werden soll dies auf zwei Ebenen mit ungewöhnlichen Verknüpfungen: Wie Elisa i hre Nesselhemden flicht Regisseur Juri von Krause Fragmente aus verschiedenen Mär chen („Die kleine Meerjungfrau", „Der Reisekamerad", „Die Schneekönigin“ u.a.) in das Grundmärchen ein. Deamaturgisch geschickt in die Nachtpassagen eingebettet, wird man flugs in andere .Märchenwelten entführt. Die Ausschnitte berichten von rätselhaften Zauberkünsten und bedrohlichen Naturschau spielen und unterstützen dadurch den mythi schen Charakter des Ausgangsmärchens. Stummheit, Einsamkeit, Mystik und Naturer leben werden als rote Fäden im Erzählgeflecht des Dichters erkennbar. Doch wird man als Hörer durch diese intertextuellen Bezüge auch aus der Erzählfolge herauskatapultiert und ist froh, wenn man der ohnehin spannenden Geschichte von Elisa und ihren elf Brüdern wieder ganz folgen kann.
Der zweite interessante Absatz besteht in der Verknüpfung von Märchen und Jazzkompositionen zu einem Text-Ton-Teppich. Im Gegensatz zur bekannteren Paarung von Jazz und Lyrik, die ja bereits literaturgeschichtliche Tradition hat, ist dies eine ungewöhnliche Kombination, die jedoch voll aufgeht. Die schrägen Jazzklänge (Klavier, Klarinette, Saxophon, Cello u.a.), eigens komponiert von Niko Meinhold, unterstützen die düstere Märchenatmosphäre und bringen zusätzliche Spannung in den intensiven Vortrag von Schauspieler Ulrich Noethen („Der Untergang“, „Comedian Harmonists“). Der Sprecher und seine musikalische Gegenspieler reagieren sensibel aufeinander. Dramatische Passagen mit Text- und Tonüberlappungen wechseln sich mit stillerem, lyrischem Vortrag ab. Eine gelungene Hörbuchkombination wohl weniger für Kinderohren als für große Märchen-, Jazz- und Hörbuchfans. Von Sigrid Meßner